U 15 – WM Reprise
Nach den anstrengenden und nervenaufreibenden fast 2 Wochen in Mexico ist es Zeit zu verarbeiten, zu analysieren und eben auch richtig einzuordnen, wie wir uns in Merida und Cancun geschlagen haben, das Ganze auch im Kontext des gesamten Baseball – Jahres zu sehen.
Nachdem wir uns mit dem 2010 -er Jahrgang (mit ein paar 2011-ern) letztes Jahr glorreich in Triest für die diesjährige WM qualifiziert hatten, u.a. mit einem 10 Run – Rule – Finalsieg gegen Tschechien, galt es jetzt mit einer anderen Mannschaft – nämlich den 2011 – ern (und ein paar 2012 -ern) Europa eben vor den Augen der Baseballwelt, den Funktionären, vieler Scouts aber auch der Öffentlichkeit Europa im Konzert mit den großen Baseballländern zu repräsentieren.
Ich bin mittlerweile wieder in unserer Außenstelle Cabarete in der Dominikanischen Republik angekommen (4 deutsche Jungs sind mit mir hier – Oswin Maruszcyk aus Mainz, John und James Cajnar aus Darmstadt sowie Benito Bull) und gestern bei den 3 Spielen gegen die Academia Alexander Javier (Puchi) haben mich viele Jungs angesprochen und erzählt, dass sie alle zusammen unser WM Spiel gegen die Dominikanische Republik im Fernsehen geschaut hatten. Wir man weiß sind wir zwar gleich im ersten Inning durch ein paar errors und indifferentes Pitching in 0 -6 Rückstand geraten, haben uns aber doch sehr gut zurück gekämpft um dann letztendlich doch deutlich gegen körperlich total überlegen Top Prospects zu verlieren – war aber so schlecht nicht. Der Sieg gegen Cuba hat uns weltweite Aufmerksamkeit und auch Weltrranglisten – Punkte gebracht und auch gegen Mexico, welches all in all schon das tiefste Pitching aller Teilnehmer hatte oder gegen die ähnlich wie die Dominikaner physisch sehr robusten Venzolaner waren wir die ganze Zeit im Spiel haben dann aber doch klar verloren.
Gegen die Japaner, die einige meiner Lieblingsbotschaften – oder Weisheiten nämlich sameness is greatness oder das Auftreten ist immer gleich, die Körpersprache ist big oder Auf der Jagd/Auf der Lauer oder ICAD (Intensität, Consistency, Attention to Detail immer gleich auf dem höchsten Niveau bei jedem Pitch in jeder Situation bei jedem Spielstand vorleben und exekutieren, waren wir leider chancenlos unterlegen und überfordert. Die Latinos machen was sie müssen und haben Spaß dabei, die Japaner geben immer Vollgas, no matter what.
In Merida haben wir also in 3 von 5 Spielen also gegen Mexiko, die DR und gegen Cuba gut ausgesehen und ein Spiel davon gegen ein Baseballland wie Cuba sogar gewonnen, gegen die Japaner war es nicht so gut aber ärgerlich wurde e gegen die uns eigentlich unterlegenen Süd Afrikaner. In dem Spiel mussten wir unser Ace – Felipe Morales 90 Pitches gehen lasse, um gerade so zu gewinnen. Fokus, Energie, Selbstvertrauen, Killer Instinkt, Jagdlust, Auf der Lauer, kaltblütig…bei einigen ok, bei vielen eher an diesem Tag nicht auf dem Programm. Aber – und das ist ja auch gut zu wissen – gegen ein Land mit doch langer Baseballtradition wie Süd Afrika können wir also auch gewinnen, wenn wir eher schlecht drauf sind.
Danach ging es auf die Strasse nach Cancun und dort gegen die genervten Venezolaner, die es nicht in die Superrunde geschafft hatten und dann gegen uns aber ihr Ace brachten – einen Lefty der effortless 93 mph warf – sahen wir wieder sehr gut aus, haben dann aber doch wieder verloren . Komplimente, Rückenklopfen das ja, ein W – leider nein. Ärgerlich dann wieder die Auftritte gegen Australien und Tschechien, wir haben darüber berichtet.
Wie war also die Stimmung, wie ist die Lage? Diese WM war von allen Weltmeisterschaften an denen ich bisher teilnehmen durfte mit Abstand am Lieblosesten organisiert. Ich kenne 3 WBSC Organisationsteam – Mitglieder schon lange und gut und die waren der gleichen Ansicht, aber was soll man machen ?
Das Hotel in Merida war ziemlich traurig wobei immerhin der Patio um den Pool hinter dem Haus, wo Mobility/Agility – Expertin Wencke Bull jeden Tag zur Ability/Mobility/Yoga – Einheit bat, ziemlich gut und angenehm war. Ausserdem war ein Starbucks gegenüber – ein Lichtblick. In Cancun war das Hotel noch um Einiges schäbiger, dafür war die Verpflegung im Stadion besser.
Apropos Stadion/Spielstätten : Wir durften nur einmal bei 8 Spielen vor dem Spiel Infield/Outfield machen und durften nie außer am Trainingstag vor Turnierbeginn auf dem Feld Batting Practise nehmen. Anstelle dessen gönnten sie uns in den Katakoben der schon imposanten großen Mexikanischen Liga Stadien der Leones de Yucatan oder Tigres de Cancun in kalten (AC) und nassen Battingcages genau 30 Minuten BP, keine Sekunde mehr, kaltherzig und penibel überwacht. Wir waren also immer unter Zeitdruck, wurden gehuddelt, gleichzeitig galt es abseits des Spielbetriebes zwischendurch auch Leerlauf zu überbrücken denn ein kulturelles Sideprogram irgendeiner Art war vom Veranstalter nicht vorgesehen gewesen, die Hotels lagen auch beide nicht gerade in einer besonders inspirierenden Umgebung.
Wir haben das Beste daraus gemacht, viele Mental – Training (6th Tool) Einheiten versucht, mitgeschrieben, es gab interne Team Meetings, Yoga und Agility wie gesagt, Nadine Kochheim mit Hilfe von Wencke haben die Jungs auch immer gut versorgt, es hat so gut wie es geht an nichts gemangelt….außer vielleicht an der totalen Killermentalität, die es eben bei deutschen Baseball Nationalmannschaften meist nicht von 1 – 20 gibt.
Wir investieren ja jedes Jahr unheimlich viel, um aus einem doch sehr kleinen Spielerpool eine international wettbewerbsfähige Spitzenmannschaft zu formen, die im U 12 -, im U 15 – und U 18 – Bereich mit den Besten der Welt auf Augenhöhe ins Duell treten kann, denn das ist es was Baseball ist: Ein Duell nach dem anderen, kein Wegducken, kein Verstecken möglich, Jäger oder Gejagter, ein Wunsch ist kein Ziel, Hoffnung ist nicht die Lösung, sondern für Loser. Wer bei deutschen Meisterschaften oder Länderpokalen zuschaut, weiß bei allem Respekt und allem Wohlwollen, wo wir genau stehen – Bei deutschen meisterschaften oder LPs wirft kaum ein Pitcher konstant über 80mph, bei der WM in Mexico kaum einer unter 85 mph nur zum Beispiel.
In all den oben aufgeführten Ländern ist Baseball viel bigger als bei uns, auch in Australien, sogar auch in Tschechien und dennoch haben wir in Okinawa 2025 die Australier bei der U 18 WM geschlagen, haben die Tschechen bei der U 15 EM letztes Jahr “getenrunruled” .
Damit das klappt, damit man – wenn es wirklich gilt – ganz oben steht oder Außergewöhnliches vollbringt, muss unser Mind Right unsere Einstellung top sein, das ist die deutsche DBA Stärke im internationalen Baseball….will sagen:
Der Teamspirit/Zusammenhalt muss extrem superior sein, die Mannschaft also homogen und als Schildwall agieren, in dem jeder für sich aber auch den anderen kämpft, die Stars und selbsterwählten oder gekürten Vorturner müssen wenn es darauf ankommt performen, die anderen mitreißen, alles muss für uns laufen, Bälle müssen für uns fallen, alle possibly möglichen plays müssen gemacht werden, das Umfeld muss passen, man selbst und auch die Eltern oder Coaches z.B. müssen in der Lage und willens sein, die Realität, die Stärken und Schwächen, den Ratten-Modus, exakt und emotionslos einschätzen zu können und noch zwei, drei Punkte mehr.GDBRR
Wenn das alles so leicht wäre, könnte es ja jeder, sage ich meinen Spielrn immer, das Geheimnis ist: es gibt kein Geheimnis und wenn man diese Baseball – Herausforderung nur weil man es gerne so hätte immer ohne die notwendigen Input-Anstrengungen erfolgreich gestalten könnte, ja dann wäre es jauch langeweilig und nicht so euphorisierend, wenn man auf höchstem Niveau, in der Stunde der Wahrheit erfolgreich ist.
Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe schon oft auf der Kommandobrücke gestanden, wenn all das geklappt hat, wenn wir auf Europa – und Weltmeisterschaften outperformed haben, ich habe es aber natürlich in der Vergangenheit auch schon oft erlebt, weiß es also ganz klar einzuschätzen , wenn es eben nicht so ist, wenn alle oder zumindest manche der gerade genannten Punkte nicht so zugetroffen haben, denn dann stehen wir eben nicht vorne, dann wollen nicht alle mit uns hängen, wollen nicht dabei sein, dann kann und sollte man nur sagen: Wir gewinnen immer, entweder wir gewinnen oder wir lernen. You gotta fight for your right to party, all in in letzter Konsequenz, allen muss das klar sein, dann hat man als Deutschland im Baseball eine Chance – wem das nicht klar ist, wer denkt: Was will der denn, wir sind doch so gut – hat es eben nicht verstanden.
Manchmal und zum Glück eigentlich immer öfter gelingt uns das genauso wie beschrieben, manchmal nicht….diesmal war es leider – logischerweise nicht zum ersten Mal – eher nicht so, aber freut euch alle: Immerhin konnte Deutschland erstmals bei einer Weltmeisterschaft Cuba besigen, das bleibt hängen, das hat in der großen weiten Baseballwelt jeder mitbekommen. Deutschland wird schon immer besser, stärker jedes Jahr, auch dieses Jahr in Mexiko hatten wir ganz starke Momente, haben Respekt dazu gewonnen – man sieht das und wir geben nie auf, machen immer weiter, lernen von den Besten, ruhen aus nicht aus und vor allem wissen wir: Entitlement – also Anspruchsdenken ohne die konkret und immer wieder neu abgelieferte Top – Leistung – ist der Feind.
Vielen Dank an den Coaches Schldwall neben mir: Heiko Schumacher, Kevin Van Meensel, Wencke Bull und Nadine Kochheim. Ihr habt alles gegeben, es war mir wie immer eine Freude und eine Ehre
Jetzt kommen die Winterballcamps für U 12 und U 15, dann fliegen wir mit den U 18 nach Puerto Rico, danach steht auch schon wieder Cabarete für die nächstjährige U 15 Nationalmannschaft an – Aktion Titelverteidigung EM. Der deutsche Baseball pennt nicht und wer trainieren will, wenn die anderen im Winterschlaf sind…schaut mal auf www.ruizbullbaseball.com
Ansonsten liebe Baseballfreunde: Ich wünsche uns allen eine schöne Off Season, allen die wie ich keine Off Season haben weiterhin viel Freude am Baseball, frohe Weihnachten und happy new year….wir sehen uns, ich freue mich drauf. Nunca te rindas, besser jeden Tag

