U15 Weltmeisterschaft – Deutschland beendet die WM auf Platz 10
Nach der anspruchsvollen Vorrunde in Merida zwei Siegen und drei Niederlagen machten wir uns auf den Weg nach Cancun zur Placement Round. Gegner waren Venezuela, Australien und Tschechien. Um es vorweg zu nehmen, die Ergebnisse aller Partien entsprachen leider nicht unseren Vorstellungen.
Spiel I – 1:4 Niederlage gegen Venezuela
Die Venezolaner hatten sich ihre WM ebenfalls anders vorgestellt. Mit einem Team voller Prospect wollten sie mit Sicherheit um den Titel mitspielen, konnten in ihrer Gruppe aber nur Platz 4 erreichen. Dabei schafften sie es sogar einen No Hitter gegen die USA zu werfen und das Spiel trotzdem 0:1 zu verlieren. Dementsprechend war unsere Hoffnung nicht gerade groß diese Baseball Nation bezwingen zu können aber wir haben schon gezeigt, dass wir mit den Großen auf Augenhöhe agieren können, wenn wir unser A Game bringen. Robin Meermeyer pitchte ein überragendes Spiel. Zwar nicht mit viel Speed auf seinem Fastball aber mit seinem fiesen Changeup brachte er die Offensivpower der Südamerikaner zum erliegen. Bis ins vierte Inning hielten wir ein 0:0. Unserer Offensive kann man an diesem tag keinen Vorwurf machen. Die Venzolaner brachten wohl das groesste Talent dieser Altersgruppe weltweit gegen uns. Ein Lefty der easy und effortless 91 MPH warf ab und an die 93 oder 94 toppte und dazu noch einen nasty Slider hatte. Sowas haben unsere U15 Jungs natürlich noch nie facen müssen bzw. können und waren dementsprechend overmatched. Absolut kein Vorwurf, jeder fightete bis zum letzten Pitch. Unter den Augen von MLB Legende und einem der besten Hitter aller Zeiten Miguel Cabrera, dessen Sohn Christopher auf dem Platz stand, machten wir die Venezolaner dennoch nervös. Robin Meermeyer hatte am Ende 5.1 IP aber irgendwann löste der Gegner den Gordischen Knoten und zog mit 4:0 davon. Endlich kam auch ein anderer Werfer für die Venezolaner auf den Hügel und wir konnten uns noch einen Run erkämpfen. Dieser warf jetzt nur noch 88 MPH, also easy im Vergleich (*Augenzwinker). Am Ende stand eine 1:4 Niederlage in der wir uns aber bestens präsentierten und stolz auf diese Leistung sein können. Im Anschluss gab es auch viel Lob für den Ausbildungsstand unserer Spieler seitens des gegnerischen Coaching Staff und dem Kampfgeist, den die Jungs an den Tag legten. Mit den Worten “tu equipo es el futuro” also eure Mannschaft ist die Zukunft klopfte uns der Manager der Venezolaner ab.
Spiel II – Unglückliche Niederlage gegen Australien
Nach dem guten Spiel am Vortag sollte ein Sieg gegen Australien eingetütet werden. Leo Rosenberger pitchte eines seiner besten Spiele der noch jungen Laufbahn. In 5 IP erlaubte Leo lediglich zwei Walks und ließ niemanden per Hit auf Base. Das gegen traditionell schlagstarke Australier ist eine sensationelle Leistung. Wir selbst konnten im ersten Inning mit 1:0 in Führung gehen, verpassten dort und auch in Folge aber mehr aus unseren Möglichkeiten zu machen und hielten das Spiel somit offen. Man merkte den Australiern an, dass sie nicht erneut wie bei der U18 WM im letzten Jahr gegen Deutschland verlieren wollten. Leo cruiste immer weiter bis sein Momentum jäh durch eine Gewitterunterbrechung gestoppt wurde. Wir wurde in die Katakomben des Stadions verwiesen, mussten ausharren, weil es über dem Himmel von Cancun immer wieder aufblitzte. Für uns war das natürlich mehr als ungünstig. Die Australier hatten Zeit durchzuatmen und noch mal alle Kräfte zusammen zu nehmen. Nach mehr als 70 Pitches und der Unterbrechung war es an der Zeit den Ball Jon Düsing zu übergeben. Leider kamen wir nicht so gut aus der Pause. Zwar schafften wir eine brenzlige Situation kurzzeitig zu entschärfen, weil wir einen Australier der wohl gepennt hat vom Base pickten, dennoch sollte dieses 6. Inning der Wendepunkt werden. Mit Läufer auf eins und zwei schlug der australische Shortstop einen Ball 370 Fuss zum Three Run Homerun über den Leftfield Zaun. Patsch, Momentum gedreht, Spiel gedreht und plötzlich standen wir unter Druck. Die verpassten Chancen der vorigen Innings zeigten sich jetzt als spielentscheidend. Auch Henk Lenhart konnte keine Ruhe in die Offensive der Aussis bringen und das Spiel drehte sich komplett. Mit insgesamt 8 Runs im sechsten und siebten Inning rückte unsere Siegchance in weite ferne. Im siebten Inning kamen wir noch mal auf, scorten drei Runs zum 4:8 Endstand.
Lediglich drei Hits brachten wir gegen nicht wirklich super überragendes Pitching auf das Scoresheet. Im Endeffekt zu wenig, wenn man auf diesem Niveau mithalten will. Die Chance war da, wir konnten es sechs Outs away aber nicht auf den Diamond zaubern. Schade, da war mehr drin.
Spiel III – Shutout Niederlage gegen den europäischen Nachbarn
Wenigstens gegen die Tschechen wollten wir die Vormachstellung in Europa unter Beweis stellen. Es ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Tschechen auf jeder EM eines der Top Teams ist, und schwer zu schlagen, man hier aber davon ausgehen muss bzw. mit der Haltung ins Spiel geht unbedingt gewinnen zu müssen. Ein Team auf Augenhöhe, das ebenfalls wie wir seine Ups and Downs im Turnier zu verzeichnen hatte. Leider brachten wir an diesem tag eine der schlechtesten Leistungen bei dieser WM. Unser Pitching funktionierte einfach überhaupt nicht, der Offspeed kam nicht in die Zone und gegen die disziplinierten Tschechen verzeichneten wir somit 11 Walks in 7 Innings. Offensiv waren wir viel zu harmlos, um dem Gegner gefährlich zu werden. Hinzu kommt noch der Fakt, dass die Tschechen wirklich Top Defensive Plays auf den Rasen zauberten, während wir mit drei crucial Errors noch zur Misere beitrugen. Mit 0:6 und ehrlich gesagt chancenlos unterlagen wir in einem doch schon frustrierenden Spiel gegen Tschechien. Wir fanden nie ein Mittel, waren zu passiv um die starken Tschechen an diesem Tag zu besiegen.
Mit Platz 10 geht es also wieder Richtung Deutschland am Montag. Wiedermal war die WM eine riesen Erfahrung für alle Beteiligten, besonders für die Jungs, die gesehen haben, wie die Konkurrenz weltweit agiert, auf welchem Level gespielt wird und was es braucht um mithalten zu können. Viele haben den Traum vom Profibaseball. Hier sehen sie sich der direkten Konkurrent gegenüber, die ebenfalls alle um die raren Plätze im Oberhaus kämpfen. Kaum einer zu Hause bei uns hat so wirklich eine Vorstellung auf welchem Niveau hier 14 und 15 jährige agieren und was es braucht, das Ziel zu erreichen. Wir haben viel Gutes gesehen, uns wieder einen Namen gemacht. Der Deutsche Baseball ist auf der Landkarte der Baseballnationen angekommen, wird respektiert, das erfahren und spüren wir hier jeden Tag. Viele Kleinigkeiten gilt es zu verbessern. Vor allem muss jeder verstehen, dass 2x 90 Minuten die Woche zum Training gehen nicht dazu führen wird auch nur annähernd an die Qualität der direkten Konkurrenz ranzureichen. Für viele Jungs war es sicher ein Eye Opener eine großartige Erfahrung und Motivation noch härter und fokussierter am Traum zu basteln. Better every Day ist kein Sprint – es ist ein langer langer anstrengender und manchmal frustrierender Marathon, den es zu bewältigen gilt.
Georg Bull wird sicher noch eine Reprise zur WM verfassen und noch tiefere Einblicke gewähren. Wir sind jedenfalls stolz auf die Jungs. Gegen viel große Nationen haben wir gezeigt, dass wir auf Augenhöhe agieren können. Andererseits haben wir dann nicht auf Repeat drücken können und auch zu viele schlechte Momente gehabt. Platz 10 geht somit völlig in Ordnung.
An dieser Stelle vielen Dank an die mitgereisten Eltern, die uns lautstark unterstützt haben.
Vielen Dank auch an Alex Lenhart (Papa von Henk the Tank), der sich als Fotograf vom WBSC hat akkreditieren lassen und für die tollen Fotos sorgte.

